Seit mindestens zwei Jahren ist die Rede von der globalen Zinswende und mehrfach war der Trendwechsel auch vermeintlich schon identifiziert, so bspw. im Mai/Juni letzten Jahres, als Ben Bernanke durch seine Tapering-Ankündigung die Märkte für einige Wochen auf Talfahrt schickte. Doch immer wieder gab es noch tieferere Renditen, wobei es in der Eurozone zudem auch ein weiteres Absinken des Leitzinses auf zuletzt 0,05% gab.
Haben wir im gestrigen Newsletter gerade noch gemeldet, dass vor wenigen Tagen erstmals eine 10-jährige Bundesanleihe mit einem Zinsertrag von weniger als 1% p.a. emittiert wurde, so ist diese Meldung schon längst wieder überholt. Die Kurse der Bundesanleihen sind weiter angestiegen, weil sie nach wie vor als sicherer Hafen gelten. Hier wird Geld geparkt, das jüngst aus Aktienmärkten abgezogen wurde. Doch so sicher ist der Hafen gar nicht. Wer vor zwei Wochen die 10-jährige Bundeanleihe erworben hat, ist zwar aktuell fein raus, denn diese notiert nun schon um ca. 2,5% höher als bei Emission. Das ist aber umgekehrt auch das Verlustpotential für jemanden, der diese Bundesanleihe heute erwirbt, wenn die Rendite nur wieder auf Emissionsniveau steigt. Um für Anlagen, für die ein sicherer Hafen gesucht wird, ein solches Kursänderungspotential zu eliminieren, muss auf kürzere Laufzeiten ausgewichen werden, für die es aber aktuell praktisch gar keine Rendite mehr gibt (teilweise ist sie sogar von vorneherein leicht negativ).
Nicht besonders schlau ist es, nach deutlich höheren Renditen zu suchen, denn diese sind zwangsläufig mit einem - derzeit meist deutlich höheren - Risiko verbunden. Wer zum Beispiel in der Annahme, dass für Griechenlands Schulden letzten Endes alle Euro-Mitgliedsstaaten geradestehen, 10-jährige Staatsanleihen aus Griechenland gekauft hat, der dürfte erst mal bedient sein. In nur vier Wochen ist der Spread zu 10-jährigen Bundesanleihen um fast 300 Basispunkte gestiegen. Der kürzlich entstandene Kursverlust der Griechenland-Bonds beläuft sich auf deutlich mehr als 30%. Das ist sogar mehr als der Verlust, den griechische Aktien im gleichen Zeitraum erlitten haben.
Das Beispiel Griechenland mag vielen extrem erscheinen. So schlimm wird es schon nicht werden, mag sich mancher Anleger oder sein Berater denken. Tatsächlich wird es für alle, die einfach nur nach der höheren Rendite schielten, natürlich noch viel schlimmer kommen. Schließlich lagen dem jüngsten Kursverlust von Griechenland-Anleihen ja überhaupt keine Zinsänderungen zugrunde. Die Kurse entwickelten sich ausschließlich nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Schalten viele Anleger aufgrund mangelnden Vertrauens in die weitere Entwicklung in den Risk-off-Modus, so kommt es zu solchen Verwerfungen. Kommt nun noch eine generelle Zinserhöhung (auch wenn sie momentan nicht absehbar erscheint) oder gar - bspw. im Unternehmensanleihenbereich - ein deutlicher Anstieg der Defaults (also der Schuldner-Ausfälle) hinzu, so entsteht schnell Panik. Hinzu kommt, dass im Gegensatz zur Finanzkrise das Polster nominaler Zinserträge, mit denen die Kursverluste von Anleihen zumindest teilweise kompensiert werden konnten, aktuell extrem abgeschmolzen ist.
Wer noch nicht begriffen hat, dass Anleihen aus dem High Yield-Segment durchaus ein ähnliches Gefahrenpotential entwickeln können wie Akteinanlagen, der wird ggfs. zu einem späteren Zeitpunkt von den Marktentwicklungen "zwangsbelehrt". Wer mehr als quasi nichts aus der Investition in Schulden erlösen will, muss für jede zusätzliche Einheit Ertrag mehrere Einheiten an zusätzlichem Risiko einkalkulieren. Dabei sollte er heute schon wissen, dass dieser Schuss gewaltig nach hinten losgehen kann.